Rudi Carell: Interview zum Abschied

—Selten sind Interviews so gut, dass sie der Erwähnung bedürfen. Im aktuellen SZ-Magazin findet sich aber eine Titelgeschichte, die nur aus einem Interview mit dem Schowmaster Rudi Carell besteht. Auf der Titelseite ist der Krebskranke liebevoll fotografiert und daneben das Zitat: „Ich habe nichts dagegen, wenn das Interview nach meinem Tod erscheint.“ Bewegender geht es kaum und ebenso bewegend ist das Interview, dass sich über mehr als zehn Seiten erstreckt und angereichert ist mit unzähligen Fotos, Carells Erfolgen und Stimmen Prominenter, die ihn – wie wohl die meisten Deutschen – verehren und schätzen. Schöner kann man kaum vor dem Tod eines Menschens einen Nachruf verfassen und mit dem Thema umgehen.
Ganz anders die Bild und Bunte, über die Carell im Interview schimpft, weil sie mit seiner Krebskrankheit unmöglich umgegangen seien: „Ich hatte der Bunten ein ehrliches Interview gegeben. Na gut, ich habe versucht, den Krebs etwas herunterzuspielen. »Ich habe zwar eine schwere Krankheit«, habe ich gesagt, »aber ich lebe, habe keine Schmerzen, kann arbeiten.« Und was hat die Bild-Zeitung daraus gemacht? Haarausfall, schwer abgenommen! Ich war stinksauer. Und dann diese schlimmen Fotos: Ich fand die ganze Sache nicht fair – mir gegenüber und Hunderttausenden, die Angst vor einer Krebsvorsorge haben oder selbst vor einer Chemotherapie stehen.
Hat sich die Bild-Zeitung bei Ihnen entschuldigt?
Nein, obwohl ich mich schriftlich beim Chefredakteur beschwert habe: »Ich lasse mich von euch nicht lebendig begraben!« Am nächsten Tag hieß die Schlagzeile: »Rudi lacht den Krebs aus!« Am Tag darauf: »Rudi tapfer!« So versucht sich die Bild-Zeitung zu entschuldigen.
Haben Sie eine Antwort auf Ihren Brief bekommen?
Ja. »Sie wissen doch, wir sind Ihre größten Fans!«, hat Kai Diekmann zurückgeschrieben. Zwei Tage zuvor hatte er noch meinen Tod herbeigesehnt. Und wenn die Bild so etwas schreibt, kupfern alle anderen ab. Das Neue Blatt titelte: »Jetzt feiert er nicht mal mehr seinen Geburtstag!« Dabei verbringe ich meinen Geburtstag seit 46 Jahren im Studio, auch meinen letzten.“