Springer, Fußball-WM und Pressefreiheit

— In den vergangenen Wochen ist einiges beim Springer-Verlag passiert. Über die Fusionspläne haben wir schon berichtet, jetzt, da es konkret wird, schlagen die Gewerkschafter Alarm. Der DJV schreibt in einer Pressemitteilung: „Axel Springer muss Stellen und Meinungsvielfalt erhaltenDer DJV fordert von den Verantwortlichen des Axel Springer-Konzerns, den zunehmenden Trend, Redaktionen zusammenzulegen, umgehend zu beenden. Die Axel Springer AG hatte heute verkündet, dass Welt, Welt am Sonntag, Welt kompakt und Berliner Morgenpost Gesamtressortleiter in den Ressorts Politik und Wirtschaft erhalten. „Wenn vier Zeitungen in den zentralen Ressorts gemeinsame Ressortleiter haben, stehen die Presse- und Meinungsvielfalt sowie Arbeitsplätze auf dem Spiel“, kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken die Entwicklungen bei Springer. Erst kürzlich hatte der Verlag einen gemeinsamen Newsroom für die vier Titel und Welt Online angekündigt und eine gemeinsame Chefredakteursrunde gegründet.Werde dieser Trend nicht gestoppt, würden sich die Blätter irgendwann nur noch im Layout unterscheiden. Konken: „Dafür aber werden weniger Mitarbeiter benötigt als bisher, Personalabbau wird die Folge sein. Und den Zeitungslesern wird statt Meinungsvielfalt zunehmende Meinungseinfalt geboten.“ Die Axel Springer AG habe aus wirtschaftlicher Sicht ein solches Vorgehen nicht nötig. Der DJV fordert deshalb von den Verantwortlichen, die Politik- und Wirtschaftsressorts der Zeitungen nicht zusammenzulegen und solche Vorhaben auch für die Zukunft ad acta zu legen.“
Tja, da treffen Ethik und wirtschaftliche Interessen aufeinander. Klar ist, Springer muss vor allem bei der Welt aus den roten Zahlen kommen, sonst sieht die Zukunft des Titels düster aus und damit auch die Arbeitsplätze.

Und ansonsten:
** Burda ist weiterhin Vorsitzender des VDV. Er wurde ohne Gegenkandidat bestätigt.

** Der DJV regt sich über die Akkreditierungsbedingungen für Journalisten bei der WM auf: „Der DJV protestiert gegen Akkreditierungbedingungen, die einen Abgleich der persönlichen Daten mit polizeilichen Dateien und Informationssystemen der Nachrichtendienste voraussetzen. Nach der Akkreditierung zur Fußball WM müssen die Journalisten einer solchen Zuverlässigkeitsüberprüfung aktuell auch bei ihrem Akkreditierungsantrag für den im September anstehenden Papstbesuch in Bayern zustimmen.“ Der Verband spricht von „Knebelkonditionen. Entweder sie stimmen der Datenüberprüfung zu oder sie dürfen nicht berichten. Das kommt quasi einem Berufsverbot gleich. Diese Entwicklung muss umgehend gestoppt werden“, fordert Konken.“ In Zeiten des Terrors ist das wohl kaum zu vermeiden.